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Sicherer Schiffsverkehr während des Baus der festen Fehmarnbeltquerung | Hamburg, 2. März 2016, Pressemeldung

Der Deutsche Nautische Verein (DNV) empfiehlt dringend eine Reihe von Maßnahmen im Zusammenhang mit der Bauphase der festen Fehmarnbeltquerung, um einen sicheren Schiffsverkehr zu gewährleisten. Die sachlich-fachlichen Arbeitsvorschläge sollen in der Vorbereitung der weiteren Entscheidungen zur Fehmarnbeltquerung einfließen.

Die den Bau betreibende Femern AS hat für die Bauphase der festen Fehmarn Belt-Querung als Absenktunnel in der Anlage 28.1 ihrer Planfeststellungsunterlagen (PFU) Maßnahmen beschrieben, die fachlich begleitet werden sollten.

Der Fehmarn Belt wird zurzeit von ca. 45.000 Schiffen in beiden Richtungen befahren. Zugleich sind ca. 38.000 Fährbewegungen, die den Schifffahrtsweg kreuzen, zu verzeichnen. Vor allem in den Sommermonaten ist in diesem Gebiet mit zusätzlich starkem Verkehr von Sportbooten auszugehen. Darüber hinaus wird in diesem Gebiet Fischerei betrieben.

Der Bau der geplanten festen Fehmarn-Belt-Querung unter Einrichtung von Wanderbaustellen mit dem Verschiffen von über 70.000 t schweren Tunnelelementen zwischen Lolland und Fehmarn kann zu erheblichen Beeinträchtigungen des Schiffsverkehrs führen und das Risiko von Havarien erhöhen. Die Femern AS hat bisher noch nicht abschließend ermittelt, welche Auswirkungen auf die Schifffahrt und insbesondere die Baufahrzeuge Wind, Strom, Eisgang und andere hydrometereologische Einflüsse haben. Eine entsprechende Ship-Handling-Simulation und Analyse der möglichen Risiken ist bereits vor Beginn der Bauphase unerlässlich. Es ist erforderlich, alle wichtigen sicherheitsrelevanten Fragen vor Erteilung der Baugenehmigung möglichst umfassend zu klären, um ggf. notwendige Rahmenbedingungen, Restriktionen und Sicherheitsstandards in die Baugenehmigung aufzunehmen.

Die Fährroute Rödby-Puttgarden soll während der Bauphase verschoben und westlich des Baukorridors eingerichtet werden. In ihm werden zwischen 80 und 100 Fahrzeuge als Querverkehr zum Hauptfahrwasser pendeln, die sich nicht mit dem Fährverkehr kreuzen dürfen. Dies erfordert aufgrund der hohen Unfallgefahr unbedingt geeignete Baufahrzeuge, die mit qualifiziertem Personal zu besetzen sind.

Der Deutsche Nautische Verein unterstützt ausdrücklich die Stellungnahme der GDWS Ast. Nord und WSA Lübeck zu der Femern AS Anlage 28.1 PFU und das Dokument GDWS - Ast. Nord - AZ 3100 P 141.6/71 vom 7.7.2014, in dem sie sich das Recht vorbehält, alle notwendigen Einzelmaßnahmen zu prüfen, zu genehmigen und anzuordnen.

Der Deutsche Nautische Verein empfiehlt daher dringend:

  • finanzielle Anreize für die Annahme von Lotsen durch den Bauträger,
  • Benennung der für die Berufsschifffahrt wichtigen Baustellenmarkierungen mit Racon-Signalbojen im Vorwege,
  • Die Annahme von Steuerern (zugesagt von Femern AS),
  • Die Durchführung einer Ship-Handling-Simulation um insbesondere die Mindestanforderungen hinsichtlich der Manöverkennwerte und Manövriereigenschaften der Baufahrzeuge zu definieren, Empfehlungen für Fahrtrassen und Fahrregime zu eruieren sowie die hydrometereologischen Restriktionen für den Einsatz aufzustellen,
  • Vorfahrtsregelungen und Routen für große Tanker und Containerschiffe zum Passieren der Baustelle zu erarbeiten,
  • Einen Mindeststandard für die Besetzung der Baufahrzeuge,
  • ein Überholverbot im Baustellenbereich,
  • eine Annahmeregelung für Schlepper oder das Eskortieren durch einen Schlepper für windempfindliche Fahrzeuge bei großer Verkehrsdichte und einer zu definierenden Wetterlage zu treffen,
  • eine ausreichende Bereitstellung von Hubschraubern und Rettungsdiensten vor Ort sowie Erarbeitung von Notfallplänen,
  • Abstimmung und Regelung zur Kommunikation der Fähren und kreuzender Baufahrzeuge.
Der Deutsche Nautische Verein hält eine dringliche Beratung von BMVI, dem Land Schleswig Holstein, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und ggf. den betroffenen Kreisen und kreisfreien Städten für erforderlich, damit die vorgenannten sachlich-fachlichen Arbeitsvorschläge bei der Vorbereitung der Entscheidungen zur festen Fehmarnbeltquerung einfließen können.