Nautischer Sachverstand seit 1868 |
Nautik wurde im 19. Jahrhundert als ein Synonym für das Seewesen verwendet. Da zu der Zeit viele Schiffsführer gleichzeitig auch Eigner der Schiffe waren, bekam die Berufsbezeichnung Nautiker die Bedeutung für die dann auch angestellten Inhaber von Seepatenten als Kapitän oder Schiffsoffiziere.
Die Nautischen Vereine an Nord- und Ostsee sind allerdings keine Ansammlungen von Nautikern, wenn diese auch oft die meisten Mitglieder stellen, sondern Gemeinschaften von Seefahrtssachverständigen und an der Seefahrt Interessierten, denen das Seewesen ein besonderes Anliegen ist.
Maritimer Handlungsbedarf
Es gab bereits Nautische Vereine, als am 14. April 1868 im Berliner "Hotel d’ Hambourg" der Deutsche Nautische Verein (DNV) gegründet wurde. Mit dem
dann erfolgten überregionalen Zusammenschluss in dem von vielen eigenständigen Fürstentümern und Städten geprägten Deutschland
sollten anstehende Probleme der Schifffahrt in Deutschland mit einer Stimme behandelt und einer fachlichen Beratung unterzogen werden. Adressaten waren
anfangs der Norddeutsche Bund und ab 1871 das Deutsche Reich, denen gegenüber Themen über Sicherheit an Bord und auf den Schifffahrtswegen, über
Schiffsbesetzung, allgemeine Fachfragen, die Untersuchung und Verfolgung von Unfallgeschehen und anderes vorgetragen und vertreten wurden. Hierzu waren die
Auffassungen vor allem in den damaligen Fürstentümern und in den Hansestädten oft recht unterschiedlich.
Zur Zeit der Gründung gab es als Organisationen des Seewesens oder der Nautik, elf Schiffervereine, von denen fünf durch Delegierte in Berlin
präsent waren und zehn Nautische Vereine oder Gesellschaften, die fünf Vertreter entsandt hatten. Zwei Jahre später gehörten dem Deutschen
Nautischen Verein sieben Schiffervereine und fünf alte Nautische Vereine an. Hinzugekommen waren Zweigvereine des DNV in Brake, Colberg, Leer, Lübeck
und Rendsburg. Zu den ältesten Mitgliedsvereinen zählten die 1845 als "Schiffer-Gesellschaft" gegründete Nautische Gesellschaft Stettin und der
Nautische Verein zu Memel, der etwa zur gleichen Zeit gegründet wurde.
Zu den konkreten Gründen für eine Vereinigung der nautischen, also der Schifffahrtsinteressen im 19. Jahrhundert zählten u.a. vier Themen, die
auf der zweitägigen Gründungsversammlung behandelt wurden.
- Vielfach galt Mitte des 19. Jahrhunderts noch der Grundsatz, dass Strandgut Eigentum des Finders war. Das führte dann zu unliebsamen Folgen für
die Menschen, die noch an dem Strandgut hingen und die zu der Zeit als Leibeigene des Finders angesehen werden durften. Das war zwar mit der Gründung der
Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger 1865 bereits anders geworden, es wurde aber generell für eine neue Strandungsordnung plädiert
und dieses Thema auf der ersten Sitzung des neu gegründeten Deutschen Nautischen Vereins im Jahre 1868 beraten.
- Ein weiteres Thema war die strafrechtliche Verfolgung und Untersuchung von Unfallereignissen in der Schifffahrt, die bis dato nur von Richtern ohne
Kenntnisse der Schifffahrt behandelt wurden. Das wollte die deutsche Schifffahrtswelt nicht mehr hinnehmen und forderte deshalb spezielle Seegerichte.
Die Diskussion, ob Seegericht oder Untersuchungsbehörde hat bis in die jüngste Zeit auch die nautischen Vereine immer wieder stark bewegt. So
wurden auf einem Seminar 1987 die unterschiedlichen Auffassungen dargestellt und heiß diskutiert. Zehn Jahre später, im Herbst 1996, hat der Deutsche
Nautische Verein das Thema erneut aufgegriffen und festgestellt, dass sich die seeamtliche Untersuchung in der bisherigen Art und Weise bewährt habe und die
Konzentration auf nur ein Seeamt nicht zu empfehlen sei. Das übrigens wurde auch international so beurteilt. Es gab aber diverse Anmerkungen, die in einem
Kompendium zusammengefasst wurden, das großes Interesse auch bei der Bundesverwaltung fand.
- 1868 ging es auch um die Position des Kapitäns, und zwar um das "Recht, ein Schiff zu führen". Hintergrund war hierfür vor allem die
unterschiedliche Gesetzgebung in den Seestaaten des Norddeutschen Bundes. Gefordert wurde 1868, dass zur Führung eines deutschen Schiffes jeder zugelassen
sein müsse, der den Nachweis geliefert hat, "dass er zu diesem Amte befähigt ist". Das Thema der Schiffsführung hat die Nautischen Vereine aber
über die Jahrzehnte immer wieder bewegt und zu Stellungnahmen veranlasst. Die Verantwortung des Führers eines Schiffes ist nun einmal ein wesentlicher
Aspekt für die Sicherheit an Bord und auf See und damit für die Menschen.
- Ein viertes Thema der Gründungsversammlung befasste sich mit der Einrichtung einer Stelle, von der man Unterlagen für eine sichere Navigation
bekommen konnte. Diese war mit der Gründung der Norddeutschen Seewarte durch Wilhelm von Freeden im gleichen Jahr bereits geschaffen worden. Einig waren
sich die Delegierten 1868, diese Einrichtung auch anzunehmen, fachlich zu begleiten und zu unterstützen.
Mitgliedschaft im DNV
Auf Sinn und Wert der Mitgliedschaft eines Nautischen Vereins im DNV wurde 1870 von dem damaligen Vorsitzenden, dem Bremer Kapitän Tecklenborg, in der Zeitschrift HANSA eingegangen. Die Zeitschrift war so etwas wie ein Pate des Deutschen Nautischen Vereins, wurde schon bald dessen offizielles Organ und ist dies noch heute. Der DNV-Vorsitzende verwies vor 136 Jahren auf den Nutzen, der aus den zugesandten Verhandlungsprotokollen und Denkschriften von den Mitgliedern der Bezirksvereine gezogen werden könne. Außerdem konnte, wie er es nannte "an einer großen nationalen Arbeit" mitgewirkt werden. - Freilich könnten die Mitglieder keinen direkten materiellen Vorteil erwarten. Der Deutsche Nautische Verein könne weder die Frachten erhöhen, noch die Abnutzung der Schiffe und Gerätschaften vermindern, aber indirekt dennoch eine Vermehrung des Erwerbs durch die Schifffahrt zu Wege bringen. Zu diesen zählte der DNV-Vorsitzende die Verbesserung des Tonnen-, Baken- und Lotsenwesens, die Aufhebung von regional bezogenen Schifffahrtsabgaben, die Errichtung von Zweigstationen der Seewarte, die Verbesserung und Vereinfachung der Gesetzgebung in Seesachen, die Gründung von Seegerichten.
Vor nunmehr gut zwanzig Jahren hatte der damalige Vorsitzende des Nautischen Vereins zu Kiel, der Seelotse Kapt. Werner Kossyk, die Mitgliedschaft in einem Nautischen Verein so umschrieben: "Wir wollen von unseren Mitgliedern die engagierte und unbedingte Mitarbeit bei allen maritimen Themen und verlangen dafür dann auch noch die Zahlung ihrer Mitgliedsbeiträge."
Nicht alles, was der DNV-Vorsitzende Tecklenborg 1870 als Gründe für eine Mitgliedschaft im Deutschen Nautischen Verein anführte, hat heute so seine Gültigkeit, manches ist jedoch noch von dem gleichen Wert wie damals. Vor allem die Vorstellung, der Schifffahrt in Deutschland den gehörigen Stellenwert zu geben, ist weiterhin aktuell geblieben. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam hinzu, dass durch die Einbindung der sechs deutschen See-Bundesstaaten Bremen, Hamburg, Lübeck, Mecklenburg, Oldenburg und Preußen in den Norddeutschen Bund (1866) zwar erste gemeinschaftliche Regelungen eingeführt worden waren, so für das Heer, die Flotte, das Zoll- und Postwesen sowie für das im Aufbau befindliche Telegrafenwesen, die eigentlichen Probleme jedoch erst nach der Reichsgründung 1871 intensiv angegangen werden konnten. Soweit diese die Schifffahrt betrafen, war hier der Deutsche Nautische Verein in Gemeinsamkeit mit den Nautischen Vereinen und Schiffergesellschaften zwischen Memel und Emden sowie in den heute dänischen Hafenstädten Apenrade und Tondern der Ansprechpartner und Berater für die Reichsregierung.
Einige Hinweise über die Zusammenarbeit mit den Reedern in Deutschland bzw. deren Einbindung in die Arbeit des DNV mögen den geschichtlichen Exkurs beleuchten. Bereits 1869, also ein Jahr nach Gründung des Deutschen Nautischen Vereins, fand der Verbandstag in der vor einigen Jahren wenig glorreich in den Schlagzeilen der Nachrichten behandelten Hamburger Hafenstraße - damals eine erste Adresse am Hamburger Hafen - statt. Der Hamburger Reeder Ferdinand Laeisz bewarb sich um den Vorsitz. Doch schon damals gab es eine starke bremische Phalanx und nicht er sondern der Bremer Kapitän und Dispatcheur Tecklenborg, also ein Sachverständiger für Seeschadensabwicklung, wurde zum Vorsitzenden gewählt und blieb dieses auch für vier Jahre.
1884 beantragte der Verein Hamburger Rheder über sein Mitglied, den Reeder Adolph Woermann, Mitgliedschaft im Deutschen Nautischen Verein. Obwohl von den Delegierten auf dem Verbandstag allgemein Zustimmung signalisiert und letztlich auch gegeben wurde, gab es dennoch auch kritische Anmerkungen, die sich darauf bezogen, dass man nicht allein aus finanziellen Gründen einer Mitgliedschaft zustimmen dürfe. Es sollten nur ideelle Zwecke für die Zustimmung oder Ablehnung einer Aufnahme maßgeblich sein.
Die Mitgliedschaft des Hamburger Reedervereins dauerte genau 101 Jahre. Einige Jahre davon hospitierte der DNV in dessen Geschäftsstelle, bis diese Vertretung Hamburgischer Schifffahrttreibender 1985 enger in den Verband Deutscher Reeder einbezogen und von diesem betreut wurde. Der VDR ist weiterhin aktives Mitglied in der Nautischen Gemeinschaft.
Einige Nautische Vereine werden auch heute von Reedern oder Schifffahrtskaufleuten geführt so die in Elsfleth, Emden, Flensburg, Hamburg, Rostock und Wismar.
Das Schifffahrtsparlament
In den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg galt der Deutsche Nautische Verein als "Schiffahrtsparlament". Es gab, so ist es in den Protokollen nachzulesen und so wird es in vielen Rückschauen der Folgezeit immer wieder herausgestellt, in der Zeit des einheitlichen maritimen Aufbaus in Deutschland kaum eine Entwicklung im deutschen Seewesen, die nicht vom Deutschen Nautischen Verein initiiert, beraten und in die parlamentarische Arbeit eingebracht worden war. Die Delegierten auf den jährlichen Verbandstagen - meist zwei- oder auch dreitätige Beratungen in Berlin - behandelten ganz konkrete Themen wie z.B. Ruderkommandos, Art der Seitenlichter, Besetzung der Seeämter mit Reichskommissaren, den Bau des Nord-Ostsee-Kanals (bereits 1872), spezielle Fragen der Betonnung und Befeuerung an den deutschen Küsten, Besetzung der Schiffe mit nautischen und technischen Patentinhabern/Schiffspersonal, Kollisionsverhütung, Revision des Strandrechtes, Rettung von Menschen und ... und ...
Unter der langjährigen Ägide des Kieler Schifffahrtsmannes Konsul August Sartori, hat sich die nautische Gemeinschaft u.a. eingehend und unterstützend mit den Plänen zum Bau eines für die großen Schiffe nutzbaren Kanals zwischen Nord- und Ostsee eingesetzt. Natürlich hat der Kieler Kaufmann dabei die Verwirklichung seiner Interessen als Makler und Reeder gesehen, letztlich aber standen hinter ihm die Ansichten der Nautischen Vereine, die sowohl eine wirtschaftliche Verbesserung aber zu Recht ebenfalls eine größere Sicherheit für die Schifffahrt zwischen den beiden Meeren sahen.
Die nach dem Ersten Weltkrieg folgenden Jahre brachten für die nautische Gemeinschaft größere Änderungen. Sachthemen und Fragen der Schifffahrt wurden jetzt meist auf den 1909 erstmals mit dem Verband Deutscher Seeschiffer-Vereine ausgerichteten Deutschen Seeschiffahrtstagen behandelt, spezielle Fragen in sog. Kommissionen beraten. Auf den zweitägigen Seeschiffahrtstagen, bis zum Ersten Weltkrieg in der Reichshauptstadt Berlin, waren wie zuvor auf den DNV-Verbands-tagen hochrangige Vertreter der Reichsregierung und der politischen Parteien anwesend, die aus den Diskussionen und Beratungsergebnissen Kenntnisse und Erkenntnisse für die parlamentarische Arbeit auf- und mitnahmen.
Dann wurde diese Kommunikationsmöglichkeit mit dem unseligen Dritten Reich rigoros beendet. Die Deutsche Nautische Verein wurde mit seinen Mitgliedsvereinen zu einem zwangsverwalteten Organisationsteil der Partei, bei dem die bis dahin frei gewählten Organe in den regionalen Nautischen Vereinen vom DNV - nach Absprache - bestimmt und von der Partei akzeptiert werden mussten. Es gelang dennoch, die wesentlichen maritimen Sachthemen zu behandeln und den Menschen in der deutschen Seeschifffahrt eine Basis für fachliche Beratungen zu geben. Nicht zuletzt der Persönlichkeit des Hamburger Reeders Herbert Amsinck als Vorsitzendem ist hier zu verdanken, dass die Menschlichkeit erhalten blieb. Bis in die ersten Tage des Jahres 1945 konnte der DNV seine Arbeit mehr schlecht als recht fortsetzen, dann wurden bei einem Bombenangriff alle Unterlagen vernichtet.
Ein Neubeginn
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ruhte die Arbeit des DNV gänzlich und erst 1954 begann auf Initiative der bereits seit einigen Jahren wieder tätigen Nautischen Vereine in Bremen, Bremerhaven, Hamburg und Lübeck sowie auf Bitten des damaligen Leiters der nunmehr für die deutsche Seeschifffahrt zuständigen Abteilung Seeverkehr des Bundesverkehrsministeriums ein Neubesinnen. Mit dem Abteilungsleiter des BMV, Ministerialdirektor Dr. Karl Schubert, wurde dann auch vereinbart, dass der Deutsche Nautische Verein immer dann um Stellungnahmen angegangen wird, wenn die Bundesländer zu maritimen Themen gefragt sind. Den einzelnen Nautischen Vereinen steht hier die Aufgabe der intensiven Beratung und Zulieferung zu sowie ganz allgemein die Behandlung regional bezogener Themen und Sachverhalte.
Mit dem Neubeginn nahmen auch die Fachkommissionen ihre beratende Tätigkeit wieder auf. Die durch den Krieg und danach erfolgte Renaissance in der Schifffahrt und der Schiffstechnik verlangte eine intensive Arbeit der vielfältigen Themen. Ende der 60er Jahre wurde die Arbeit so umfangreich, dass diese nicht mehr von den sporadisch tagenden Kommissionen bewältigt werden konnte. Der damalige Geschäftsführer, Regierungsdirektor Kapt. Emil Memmen, schuf den Ständigen Fachausschuss, der von der Mitgliederversammlung in der geänderten Satzung 1972 etabliert wurde und seither die fachliche Arbeit der nautischen Gemeinschaft koordiniert. Aus dem anfänglich acht Herren umfassenden Gremium ist inzwischen ein Instrument geworden, dem mehr als 80 Herren sowie einige Damen angehören von denen eine in den Vorstand dieses DNV-Gremiums gewählt wurde. Diese Mitglieder setzen sich, soweit es ihr Tagesgeschäft zulässt, monatlich und meist in Hamburg zu intensiven Beratungen zusammen.
Schifffahrt braucht Kommunikation
Auf der Jahresmitgliederversammlung 2004 wurden die Delegierten eindringlich aufgerufen, mehr für die Kommunikation zwischen der Nautischen Gemeinschaft und der Öffentlichkeit zu tun. Zum einen hatte der Chefredakteur der "Cuxhavener Nachrichten" Hans-Christian Winters in einem Vortrag die Aufgabe der stärkeren Vermittlung zwischen Fachleuten und den an der Schifffahrt Interessierten erläutert und deren Notwendigkeit unterstrichen. Zum anderen hatte der frühere Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Reeder, Dr. Bernd Kröger, den Delegierten ans Herz gelegt, die Möglichkeiten des Deutschen Seeschiffahrtstages als maritimes Schaufenster intensiv zu nutzen.
Auch heute liegt der Nautischen Gemeinschaft mit dem DNV an der Spitze, den 20 regionalen Vereinen mit derzeit mehr als 4.600 Mitgliedern und den 45 korporativen Mitgliedern viel daran, der Seeschifffahrt in Deutschland den Stellenwert zu geben, der diesem nicht nur für die Küsten wichtigen Wirtschaftszweig zukommt. Hierzu suchen wir die Aussprache mit den für die Schifffahrt in Deutschland zuständigen Verkehrsministerien in Bund und Küstenländern, laden zu Diskussionsveranstaltungen nach Bonn und Berlin ein sowie alle drei Jahre eben zu den Deutschen Seeschiffahrtstagen. Der anfangs etwas abfällig bezeichnete "Deutsche Seeschiffahrtstag" wurde schnell zu einem geachteten Synonym für die fachliche Beratung anstehender Themen im maritimen Bereich und zu Situationsdarstellungen in Schifffahrt, Schiffbau, Hafenwirtschaft sowie der in diesen Bereichen tätigen Menschen.
Schnell hatten die bis 1914 jährlich in der Reichshauptstadt durchgeführten Veranstaltungen die Rolle des "Nautischen Parlaments" übernommen. Die Beratungen dienten als Plattformen für alle anstehenden Themen der deutschen Seeschifffahrt. Die Reichsregierung griff die erarbeiteten Vorschläge und Empfehlungen auf und beachtete sie weitgehend bei den Beratungen als Gesetzgeber.
Nach einer durch den Ersten Weltkrieg verursachten Zwangspause von sechs Jahren fand 1920 ein Neubeginn statt, erstmals außerhalb Berlins, nämlich in Bremen. Hierzu konnte aus Berlin kein Regierungsvertreter entsandt werden, da, wie es im Protokoll nachzulesen ist, das notwendige Fahrgeld fehlte.
Auf dieser ersten Sitzung nach langer Pause wurde vor allem beraten, ob der Deutsche Nautische Verein weiterhin Sprachrohr der maritimen Belange in Deutschland sein sollte. Die Delegierten waren sich jedoch einig darin, dass der Wiederaufbau der am Boden liegenden deutschen Seeschifffahrt jede nur mögliche Unterstützung benötige und hier die Nautische Gemeinschaft fachkundig Hilfe und Unterstützung geben könne.
Bis 1928 fanden die Deutschen Seeschiffahrtstage weiterhin jährlich statt, jetzt jedoch an unterschiedlichen Orten. Dann wurde aufgrund wirtschaftlicher Zwänge die nächste Veranstaltung immer wieder um ein Jahr verschoben und auf Grund der politischen Umwälzung 1933 endgültig zu den Akten gelegt. Erst gegen Ende der fünfziger Jahre, nachdem der Deutsche Nautische Verein 1954 seine Arbeit wieder aufgenommen und der Verband Deutscher Reeder 1957 einen Seeschiffahrtstag durchgeführt hatte, wurde 1959 mit dem 16. Deutschen Seeschiffahrtstag wieder an die Tradition angeknüpft, und wieder wurde dieser Neubeginn in Bremen gestartet.
Sachverstand erhalten
Die heute zwischen Saßnitz und Emden bestehenden 20 Nautischen Vereine setzen also gemeinsam mit dem Deutschen Nautischen Verein die vor nun 138 Jahren begonnene Arbeit der sachlichen Beratung anstehender Themen fort. Hierzu ist der Ständige Fachausschuss das gemeinsam getragene Gremium, in dem die Themen intensiv beraten und die Vorlagen verabschiedet werden. Zur Transportierung der Fragen und der Ergebnisse dienen neben den alle drei Jahre stattfindenden Deutschen Seeschiffahrtstagen, die seit 1972 auch unter der Schirmherrschaft des jeweiligen Bundespräsidenten stehen, auch die seit 1990 erst in Bonn und jetzt in Berlin veranstalteten Nautischen Abende sowie seit 2002 die in Bonn veranstalteten "Maritimen Dialoge" und ganz gezielt auch Seminare oder Gesprächsrunden. Daneben werden Ergebnisse in Veröffentlichungen oder auf der homepage des DNV wiedergegeben.
Einmal im Jahr ist der Ständige Fachausschuss Gast beim Bundesverkehrsministerium in Bonn. Hier werden in Abstimmung mit dem Ministerium aktuelle Themen und Vorstellungen direkt diskutiert. Dank des beiderseitigen Willens, Lösungen zu finden, können wir hierbei auf erfolgreiche Beratungen verweisen, wie die zeitlich begrenzte Entsorgung von Ölrückständen in den Häfen, die nie endenden Beratungen über Umweltfragen - jetzt auch der geplanten Offshore-Windparks, verbessertes Sicherheitsverständnis, Unfallverhütung und Präventivmaßnahmen und vieles mehr.
Sachverstand muss erhalten bleiben. Auch dafür plädiert die nautische Gemeinschaft. In der Schifffahrt und den anderen Bereichen des maritimen Umfeldes dominiert nach wie vor der praktische Einsatz, in dem der Mensch als wesentlicher Teil etwas Besonderes darstellt. Dafür muss er entsprechend geschult und motiviert sein. Die schrecklichen Unfälle der jüngsten Vergangenheit haben hier deutlich gemacht, dass bei einem Manko menschlichen Einsatzes Katastrophen nicht auszuschließen sind.
Die Vorsitzenden des Deutschen Nautischen Vereins in den bisherigen 138 Jahren waren fast immer Schifffahrtsleute, meist Reeder, in der Anfangszeit auch befahrene und an Land tätige Kapitäne, die sich engagiert für die Belange der nautischen Gemeinschaft eingesetzt haben.
Der Deutsche Nautische Verein mit den Gremien Beirat und Ständiger Fachausschuss behandelt Fragen und Probleme der maritimen Welt bewusst neutral, also auch weder arbeitgeber- noch arbeitnehmergebunden. Im Vordergrund steht nach wie vor die fachliche Behandlung aktueller Fragen und Themen. In erster Linie zählen dazu weiterhin die satzungsgemäß verankerten Themen der Sicherheit in der Seeschifffahrt und die Besetzung der Schiffe mit qualifiziertem Personal sowie auch der Schutz der Umwelt.
Weiterhin ist der Deutsche Nautische Verein als Ansprechpartner für Politik und Verwaltung ein lebendiges Gremium, das sich um die Belange der deutschen maritimen Industrie müht. Mit fachlichen Beiträgen agiert er als ein Katalysator der Meinungen und kann so manches Mal, wenn auch häufig nur mit sehr kleinen Schritten bewegen, was manchmal verkrustet in der Entwicklung stehen geblieben ist. Es gibt allerdings auch Entwicklungen und Situationen, bei denen wir uns mit vielen anderen im Kreise bewegen. Dabei den Mut nicht zu verlieren, erfordert schon eine gehörige Portion Selbstbewusstsein aber auch Stehvermögen. In einer großen Gemeinschaft, wie es der nach wie vor wachsende Deutsche Nautische Verein ist, ist auch dieses möglich.
Die Menschen sind wichtig
Dass die nautische Gemeinschaft weiterhin wächst, wird mit den Angaben in den jeweils aktualisierten DNV-Kalendern wiedergegeben. Zum einen sind die Nautischen Vereine bei den Mitgliederzahlen einem ständigen Auf und Ab unterworfen, zum anderen nimmt das Interesse an der aktiven Mitarbeit durch korporative Mitglieder weiter zu.
Seit 1991 werden Jahrgangsbeste deutscher Seefahrts-Ausbildungsstätten mit dem Ehrenpreis des DNV ausgezeichnet. Mit dieser Auszeichnung wollen wir die Motivation des Nachwuchses stärken helfen. 2003 stand die Schleswig-Holsteinische Seemannsschule in Lübeck-Travemünde im Blickfeld. Wir haben mit der Verleihung des Ehrenpreises an diese Einrichtung auch Dank für die mehr als 50jährige aktive Tätigkeit in der Ausbildung des seemännischen Nachwuchses gesagt. Im vergangen Jahr (2005) wurden erstmals zwei Absolventen des Studiums der Schiffsbetriebstechnik ausgezeichnet und 2007 zum zweitenmal eine seemännische Ausbildungsstätte, die AFZ-Schiffahrtsschule in Rostock.
"Die Welt ist überhaupt nur dadurch weitergekommen, dass irgendjemand die Courage gehabt hat, an Dinge zu rühren, von denen Leute, in deren Interesse das lag, behauptet haben, dass man nicht daran rühren darf". Dieser Ausspruch des österreichischen Dramatikers und Arztes Artur Schnitzler kann auch so ausgelegt werden, dass es eben immer Menschen sind, die für Bewegungen und Entwicklungen verantwortlich sind, positiv wie negativ. Für uns als Nautische Gemeinschaft, die 1868 ihren festen Rahmen bekam, nehmen wir diese Tatsache als Leitfaden für die Entwicklungen über die Jahrzehnte hinweg.
So haben engagierte und hoch motivierte Männer in den Nautischen Vereinen an Nord- und Ostseeküste die Geschicke der Regionen sehr oft mit einem großen Einsatz bestimmt und Entwicklungen auf den Weg gebracht. Da nun aber einzelne allein oftmals nicht in der Lage sind, die Aufgaben zu erledigen, gibt es gute Ergebnisse nur im Teamwork mit den ebenfalls engagierten Mitstreitern. Und diese sind in der Nautischen Gemeinschaft zahlreich anzutreffen.
Preisträger DNV-Ehrenpreis
Seit 1991 ist der Deutsche Nautische Verein bemüht, Zeichen für die Nachwuchspflege zu setzen und zwar mit der Verleihung des „DNV-Ehrenpreises“, der verschiedentlich auch nach verdienten Mitgliedern des Ständigen Fachausschusses benannt worden war. Bis 2003 wurde der Bereich der nautischen Patentinhaber bedacht und 2004 der Schleswig-Holsteinischen Seemannsschule auf dem Priwall in Lübeck-Travemünde für die hervorragende Schulung des seemännischen Nachwuchses zuerkannt. 2005 wurden erstmals zwei Absolventen des Studiums zum Schiffsingenieur und dann auch noch in internationaler Besetzung mit Urkunde und Geldbetrag für erstklassige Studienergebnisse ausgezeichnet. Danach folgte eine Absolventin des Fachbereiches Seefahrt aus Rostock-Warnemünde und dann die seemännische Ausbildungsstätte AFZ-Schifffahrtsschule aus Roctock für ihre unbeirrbare Tätigkeit in der Ausbildung seemännischer Nachwuchskräfte,
Zwischen 1991 und 2000 ging der nach Prof. Günter Winnicker aus Hamburg und Kapt. Walter Schmidt aus Lübeck bezeichnete Preis an:
1991 Dipl.-Nautiker Dirk H o m a n n aus Cuxhaven FB Seefahrt Elsfleth
1995 Dipl,-Ingenieur Arne E h l e r s aus Cuxhaven FB Seefahrt Leer
und Kapt. AM Carstenn W e i s e aus Jülich FS Seefahrt Leer
1996 Dipl.-Ing. Wulf R a t h m a n n e r aus Rostock FB Seefahrt Elsfleth
u. Kapt. AM Joachim P a w e l aus Eckernförde Seefahrtsch. Cuxhaven
1997 Dipl.-Wirtschaftsing. Thomas W i t t e aus Kapstadt FH Flensburg
und Kapt. AN Uwe K.W. B e n d e r aus Hohendorf FS Flensburg
1998 Dipl.-Ing’in Alexandra P o h l aus Bremen ISSUS der FH Hamburg
und Dipl.-Ing. Heiner N i b b e aus Hamburg ISSUS der FH Hamburg
und Kapt. AM Heiko V o l z aus Lübeck Seefahrtsch. Grünendeich
1999 ging der nach Professor Dr. Ulrich Scharnow, Rostock, benannte Preis an
Dipl.-Ing. Gavino B r e n t f ü h r e r von Rügen FB Seefahrt Warnemünde
2000 erhielt den nach dem Elsflether Professor Kapt. Georg Baake benannte Preis
Dipl.-Nautiker Andreas S c h a f t aus Bremen Bremer Hochschule
Ab 2001 hieß die mit Urkunde und Geldbetrag versehene Auszeichnung „DNV-Ehrenpreis" und wurde vergeben an:
2002 Dipl.-Nautiker Mathias G ü n t h e r aus Rostock FB Seefahrt Warnemünde
2003 Dipl.-Wirtschaftsing. Daniela E b n e r aus Bremen Hochschule Bremen
2004 Schleswig-Holsteinische Seemannsschule Travemünde
2005 Dipl.-Ingenieurin Stefanie B ä h l e r aus Solothurn/CH FH Flensburg
und Dipl.-Ingenieur Henrik A l f k e aus Bremen FH Flensburg
2006 Dipl.-Ing. Annette N i e m e y e r aus Hamburg FB Seefahrt Warnemünde
2007 AFZ-Schifffahrtsschule Rostock
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Termine 2010 |
September |
23.09.10
7. Maritime Dialog in Bonn ist verschoben worden. Der neue Termin wird bekannt gegeben.
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Oktober |
08.10.10
Nautisches Essen NV Wismar im Hotel Wismar, 19.00 Uhr
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22.10.10
Nautisches Essen, 20 Jahre NV Rostock
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29.10.10
Nautisches Essen NV zu Kiel
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November |
01.11.10
Nautisches Essen NV Kappeln-Schlei
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11.11.10
Jahreshauptversammlung NV Vogelfluglinie im Wisser’s Hotel in Fehmarn-Burg
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12.11.10
Nautisches Essen NV zu Bremerhaven
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19.11.10
Nautisches Essen NV zu Bremen
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26.11.10
Nautische Essen NV Niedersachsen
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Dezember |
04.12.10
Nautisches Essen NV Sassnitz-Rügen
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Termine 2011 |
Februar |
01.02.11
Nautisches Essen NV zu Hamburg
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04.02.11
Nautisches Essen NV Stralsund
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09.02.11
Nautisches Essen NV Neustadt/Holstein
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17.02.11
DNV-Jahresmitgliederversammlung
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25.02.11
Nautisches Essen NV Lübeck
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März |
10.03.11
Nautisches Essen NV Flensburg
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17.03.11
Nautisches Essen NV Niederelbe
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18.03.11
Nautisches Essen NV Vogelfluglinie
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25.03.11
Nautisches Essen NV zu Emden
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April |
08.04.11
Nautisches Essen NV Brunsbüttel
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